Artikel des Hamburger Blogzines und Modelabels "SoSue"

Gründen während Corona. Wie wir das mit manico erlebt und geschafft haben, könnt ihr unter folgendem Link oder unserem Auszug weiter unten nachlesen: 

https://so-sue.com/blog/detail/sCategory/10/blogArticle/6021 

 

Auszug aus SoSue:

Gründen während Corona - Diese Frauen haben es gewagt!

2020 –  ein Jahr bestimmt durch eine weltweite Pandemie. Ein Umstand, den sich vorab wohl kaum jemand hätte vorstellen können (außer einigen, sehr klugen Virologen und Bill Gates!). Was 2019 noch unmöglich schien, bestimmt heute unseren Alltag: Maskenpflicht, Schließung von Gastronomie und Freizeitangeboten, temporäre Grenzschließungen innerhalb der EU... Wenn 2020 eins war, dann bestimmt durch Irritationen und große Ungewissheit, was auf uns zukommt. In der aktuellen Situation müssen viele von uns ihren Alltag komplett umstrukturieren, flexibel & schnell neue Wege finden. Natürlich blieb auch die Modebranche von diesem schweren Einschnitt nicht verschont. Wenn auch einige Labels über auffällig gute Zahlen während Corona sprechen – und somit wahrscheinlich willkommene Shopping-Ablenkung für Käufer darstellen konnten, so klagen andere über Umsatzeinbußen. Besonders hart hat es wohl auch jene getroffen, die gerade mitten in der Gründung eines Unternehmens stecken. Menschen, die eine Idee entwickeln mit der sie das Leben anderer bereichern– und sich gleichzeitig eine Existenz aufbauen wollen. Wir haben drei mutige Gründerinnen im Bereich Mode getroffen und mit ihnen über das Gründen eines Mode Start-Up’s in Zeiten von Corona gesprochen.

Übrigens: Wer noch auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken ist, kann sich im folgenden auch von unseren Interviewpartnerinnen Zaza, Rebecca und Anna inspirieren lassen. Egal ob Schuhe, Schal oder Handschuhe - hier werdet ihr sicher fündig und unterstützt dazu auch noch junge Gründerinnen.


Liebe Zaza, du hast 2020 gemeinsam mit deiner Mama das Label „Prinz Berlin“ gegründet/ gelauncht – mitten in Zeiten von Corona. Erzähl uns doch mal, wie die Idee zu Prinz Berlin entstanden ist und was genau ihr mit dem Label vorhabt.

Hi Lea, genau! Prinz Berlin ist eine Marke, die für Eleganz und Nachhaltigkeit steht. Wir produzieren Kaschmirware, die ausschließlich per Hand und in unserer unmittelbaren Umgebung gestrickt wird. Vor vier Wochen haben wir unser erstes Produkt, den kleinen Prinzen, ein weicher Kurzschal aus Kaschmir, gelauncht. Weihnachten 2019 hat meine Mutter ihren engsten Freunden und Familie dieses Modell gestrickt. Es waren ausnahmslos alle völlig begeistert und haben den Schal den ganzen Winter nicht mehr ausgezogen! So war uns ziemlich schnell klar, dass wir auch noch andere für das Produkt begeistern können.

Nun befinden wir uns ja aktuell wirklich in einer unberechenbaren Zeit. Du warst trotzdem mutig genug, diesen Schritt zu gehen. Wie fühlst du dich damit? Und wie war 2020 für dich allgemein bisher?
Allgemein war 2020 natürlich kein schönes Jahr. Ich denke wir sind uns alle einig, dass uns Covid-19 hätte fern bleiben können. Auch persönlich gab es viele Dinge, die nicht schön waren und die ich gerne ausgelassen hätte. Nichtsdestotrotz bin ich ein großer Fan davon, immer zu versuchen, das Beste aus allem zu machen. Anstatt Zuhause rumzusitzen und traurig über die Kurzarbeit zu sein haben meine Mutter und ich die Initiative ergriffen, an unserem eigenen kleinen Traum zu arbeiten. Letztendlich haben wir für uns persönlich die Situation gedreht, haben jetzt quasi eine neue spannende Lebensaufgabe kreiert und sind sehr glück und stolz, was wir in den letzten Monaten geschaffen haben.

Lass uns ein bisschen über das Timing sprechen. Wann ist die Idee von Prinz Berlin genau entstanden, wie lange hast du überlegt, ob du die Gründung wirklich durchziehst?
Der Name der Marke und der Gedankengang, irgendwann selbst gründen zu wollen, schwebte uns schon sehr, sehr lange im Kopf rum. Die Idee, was genau wir machen wollen, erst seit Anfang des Jahres. Aber auch da war es für meine Mutter und mich immer nur eher Träumerei und ein „was wäre wenn“ oder „irgendwann ziehen wir das durch“. Ich muss sagen, dass schlussendlich der Lockdown und die viele Zeit Zuhause, uns die Möglichkeit geboten hat, an der Idee zu feilen. Unser ganzes Konzept, mit Omas/ älteren Damen zu arbeiten, ist uns erst durch Corona in den Sinn gekommen. Gerade in diesen Zeiten, wo vor allem die ältere Generation viel Zeit Zuhause verbringt, ist eine kleine Nebenbeschäftigung doch genau das Richtige. Irgendwann stand es völlig außer Frage, dass wir gründen. Wir hatten auch gar keine große Angst, da, wir nicht viel Geld in die Gründung investieren mussten. Der Ablauf war eher so: „Mama, ich habe uns jetzt einfach einen Termin beim Notar gemacht, okay?“ - „Klar, wann?“ – „Morgen Vormittag!“ – „Toll, lets go.“

Gab es bereits Vorkommnisse, z.B. innerhalb der Produktion, welche die Gründung beeinflusst haben und sich klar auf das Virus zurückführen lassen? Kannst du hinsichtlich dessen anderen, die auch gerade dabei sind zu gründen, Tipps geben?
Wir hatten bisher „toitoitoi“ wirklich Glück. Ich denke das liegt aber Größenteils daran, dass wir unser Geschäftsmodell so ausgerichtet haben, dass es trotz der momentanen Situation funktioniert. Wir haben keine langen Produktionsketten, denn es wird alles lokal produziert. Außerdem haben wir ja bisher nur unser Online-Geschäft, somit sollte Corona oder ein weiterer Lockdown  (hoffentlich) keinen massiven Einfluss auf unsere Verkaufszahlen haben. Im Gegenteil, mit einem weichen Kaschmirschal kann man es sich noch viel gemütlicher Zuhause oder beim spazieren gehen machen.

Ich bin der Meinung, dass man die Situation leider sowieso nicht ändern kann. Am besten ruhig bleiben, sich hinsetzen und sich überlegen, was sich aus dieser Zeit positives rausholen lässt.




Liebe Anna, du hast dieses Jahr das Schuh-Label Miyana gelauncht. Wie kam es dazu?
Hello! Si, ich habe dieses Jahr Miyana gegründet, ein Start-up, dass feminine Schuhe für modebewusste Frauen in größeren Größen anbietet. Unsere Designs starten ab Größe 41 und gehen momentan bis Größe 44. Wir planen gerade aber eine Erweiterung des Größenspiegels bis Größe 46. Mit Miyana möchten wir also Frauen ansprechen, die sich exklusive und feminine Schuhe wünschen, sie aber in ihrer Größe nicht bekommen. Wir finden, dass es an der Zeit ist, dass veraltete Schönheitsideal kleiner Füße hinter sich zu lassen. Die Idee zu Miyana entstand ganz einfach aus eigener Erfahrung. Ich trage selbst Schuhgröße 42/43 und hatte somit immer Schwierigkeiten Schuhe zu finden, die ich wirklich mag und in denen ich mich wohl fühle. Irgendwann habe ich festgestellt, dass ich nicht die einzige Frau mit diesem Problem bin - so ist die Idee zu Miyana entstanden. 

Nun befinden wir uns ja aktuell wirklich in einer unberechenbaren Zeit. Du warst trotzdem mutig genug, diesen Schritt zu gehen. Wie fühlst du dich damit?
Allgemein zweifelt glaube ich jeder bei einer Gründung, ob man wirklich den richtigen Zeitpunkt gewählt hat. Den perfekten Zeitpunkt gibt es also sowieso nicht. Am Wichtigsten ist, dass man den Mut hat anzufangen und mit aufkommenden Herausforderungen einen richtigen Umgang findet. Natürlich war der Start durch Corona wohl besonders herausfordernd und hat beispielsweise meine Produktion in Italien und damit das Startdatum des Verkaufs sehr beeinflusst. Jedoch finde ich es wichtig, dass man mit dem arbeitet, was man hat und nicht zu viel Zeit an den Gedanken “Was wäre wenn” verschwendet.

Wie hast du Miyana und die erste Kollektion finanziert?
Ich habe alle Kosten der Gründung und die erste Kollektion selbst finanziert. Glücklicherweise habe ich einen tollen Produzenten in Italien gefunden, der an mich und meine Idee glaubt & deshalb zunächst eine kleine Ordermenge zugelassen hat.  Natürlich birgt die Selbstfinanzierung ein hohes Risiko und viel Druck, dass die Gründung gelingt und sich das Unternehmen langfristig etabliert. Ich denke aber, dass diese Form von Druck sich in eine gute Motivation verwandeln lässt. Zudem zeigt dieser Schritt potenziellen Investoren sehr deutlich, dass man als Gründer*in wirklich zu 100% hinter der Idee steht. 

Gab es bereits Vorkommnisse, z.B. innerhalb der Produktion, welche die Gründung beeinflusst haben und sich klar mit auf die Existenz des Virus zurückführen lassen?
Auf jeden Fall! Die Produktionszeit wurde massiv beeinflusst - durch die hohen Fallzahlen in Italien und den darauffolgenden Shutdown. Eigentlich wollte ich die erste Kollektion bereits im Frühling 2020 launchen, der Start zog sich letztendlich bis in den Spätsommer. Außerdem ist es natürlich ein Unterschied, ein Team rein digital aufzubauen. Der persönliche Kontakt fehlt einfach und ist gerade in der Kennenlernphase sehr wichtig. Ich denke ein guter Tipp ist es, in der Krise für das eigene Produkt auch Chancen zu erkennen. Die Zahlen des Onlinehandels gingen noch mehr nach oben, viele Branchen profitieren. Dennoch sehe ich natürlich auch die Schwierigkeit: Für viele ist die Zukunft gerade ungewiss, da ist Verzicht auf Premiumprodukte natürlich die erste Sparmaßnahme.




Hi Rebecca, du hast vergangenen Monat erst dein Handschuh-Label manico gegründet – mitten in Zeiten von Corona. Wir gratulieren dir zu Gründung und freuen uns, dass du dir heute Zeit nimmst, uns ein paar Fragen zu beantworten. Erzähl uns doch mal, was euch dazu gebracht hat manico zu gründen und was genau ihr mit dem Label vorhabt.

Liebe Lea, schön heute mit euch zu sprechen. Ganz genau, Anfang des Monats habe ich das Label manico gelauncht mit dem ich den Handschuh als Alltagsaccessoire wieder zum Leben erwecken möchte. Ich habe mit manico das erste Label gegründet, das Handschuhe anbietet, die modern, waschbar und nachhaltig sind und zusätzlich individuell und lokal in Berlin gefertigt werden.  Die Idee dafür ist Anfang des Jahres bei einem gemütlichen Kochabend mit meiner besten Freundin entstanden. Unser Gespräch steuerte ziemlich schnell auf Corona und das verstärkte Hygienebewusstsein, das sich dadurch bei den meisten Menschen entwickelt hat. Uns beiden war in den Tagen und Wochen zuvor aufgefallen, dass Menschen in der Öffentlichkeit immer häufiger ihre Hände schützen – ob mit Plastikhandschuhen oder auch dicken Lederhandschuhen. Das Unwohlsein beim Anfassen von Oberflächen in der Öffentlichkeit, z.B. in der Bahn oder beim Geldabheben, kannten wir beide schon vor Corona zu gut. Als Lösung dafür umweltbelastende Einweg-Gummihandschuhe zu tragen, empfanden wir jedoch als nicht besonders zukunftweisend und sahen Optimierungsspielraum. Mit meiner besten Freundin als treue Beraterin im Hintergrund, wollte ich diese Chance ergreifen. Und so wurde manico geboren.

Nun befinden wir uns ja aktuell wirklich in einer Zeit, in der man nicht alles genau planen kann. Du warst trotzdem mutig genug, diesen Schritt zu gehen. Wie fühlst du dich damit? Und wie war 2020 für dich allgemein bisher?
Für mich war und ist 2020 definitiv ein aufregendes Jahr. Noch im Januar hätte ich mir nicht ansatzweise vorstellen können, dass dieses Jahr das Jahr meiner eigenen Unternehmensgründung werden würde. Der Wunsch mich selbstständig zu machen und an einem Thema zu arbeiten für das ich mich begeistere, schwirrte zwar schon lange Zeit in meinem Kopf herum. Die „eine“ Idee für ein Unternehmenskonzept wollte jedoch erst noch gefunden werden. Corona bot in dieser Hinsicht die ideale Möglichkeit, um einen Gang runter zu schalten und sich mit verschiedenen Möglichkeit für Ideen auseinander zu setzen. Heute freue ich mich sehr, dass ich den Schritt der Gründung gewagt habe. Ich bin überzeugt von meinem Produkt, sehe den Markt dafür und bin bereit diesen mit manico zu erobern.

Wann ist die Idee von manico genau entstanden, wie lange hast du überlegt, ob du die Gründung wirklich umsetzt?
Der erste Funke einer Idee ist Ende April entflammt. Zu dieser Zeit war Corona ja bereits stark präsent. Nahezu an jeder Straßenecke wurden Schutzmasken verkauft. Auf den Schutz der Hände konzentrierte sich jedoch niemand. Und darin sah ich eine Chance. Ich war und bin davon überzeugt, dass sich das Hygienebewusstsein der Menschen in öffentlichen Räumen auch nach der Pandemie tiefgreifend verändern wird. Diese Überzeugung wurde auch in der Auswertung meiner Umfrage sichtbar und bestätigt. Ein Restrisiko den Gründungsschritt zu wagen bestand natürlich weiterhin und wird auch in Zukunft ein stetiger Begleiter bleiben. Dennoch bin ich froh dieses Risiko eingegangen und jetzt stolze Gründerin von manico zu sein.

Gab es bereits Ereignisse oder auch Begebenheiten , z.B. innerhalb der Produktion, welche die Gründung beeinflusst haben und sich klar auf das Virus zurückführen lassen? Kannst du hinsichtlich dessen anderen, die auch gerade dabei sind zu gründen, Tipps geben?
Vorkommnisse, die auf das Virus zurückzuführen sind, gab es in den letzten Monaten einige. Am Anfang war es besonders schwierig Kontakte aufzubauen, da die Menschen sehr vorsichtig waren und Nähe vermeiden wollten bzw. durch die Coronabeschränkungen auch mussten. Das erschwerte den Anfang etwas, da ich auf Expertenmeinungen und Austausch angewiesen war. Ich erinnere mich auch daran, dass sich beispielsweise die Stoffsuche als schwierig herausstellte, da manche Läden geänderte Öffnungszeiten oder auch geschlossen hatten. In einem Fall stand ich sogar vor einem komplett )leergeräumten Laden. Auch die gewerbliche Anmeldung wurde verzögert, weil die Ämter teilweise überlastet waren und es häufig zu unvorhersehbaren Ausfällen kam, weil einfach weniger Mitarbeiter vorort waren. Solche Vorfälle zogen sich auch weiter bis in die Produktion und haben meine Planung zeitlich verzögert. Dennoch war es mir wichtig an bestimmten Punkten meines Unternehmenskonzeptes wie z.B. der lokalen Produktion festzuhalten und dafür auch Verzögerungen in Kauf zu nehmen. Auf diese Dinge konnte ich mich nicht wirklich vorbereiten. Da half in den meisten Situationen nur ein langer Geduldsfaden, Ausdauer und die tiefe Überzeugung mit dem eigenen Produkt und Unternehmen den Markt eines Tages bereichern zu können.